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Das letzte Hemd hat keine Taschen

Während meiner Ausbildung musste ich auch einige Zeit vorne am Empfang arbeiten.
Dort arbeitete eine sehr nette, aber kühle und reservierte Dame, die mich dort betreute.

Besonders auffällig war an dieser Dame, dass sie immer im Wechsel von zwei Wochen dasselbe Outfit trug. Die eine Woche trug sie von Montag bis Freitag eine braune Hose und einen grauen Pullover, die nächste Woche eine schwarze Hose und einen blauen Pulli. Jede Woche. Winter wie Sommer.
Obwohl wir uns in der Stadt befanden, holte sie sich nie Essen. Sie brachte auch nie etwas Besonderes mit, jeden Mittag verbrachte sie an ihrem Schreibtisch und aß ein einfaches Butterbrot ohne Butter und mit günstiger Wurst belegt.

Da ich ja wusste, dass man bei uns im Laden nicht schlecht verdient, machte ich mich mit den anderen über die Frau lustig.

Eines Tages jedoch bat sie mich, bei einem Gang in die Stadt ihre Kontoauszüge für sie mitzubringen. Ich erfüllte ihr diese einfach Bitte selbstverständlich und ging so zu ihrer Bank und zog die Kontoauszüge.
Ich wäre fast umgefallen, als mir ein Kontostand von ungefähr 57.000 EUR entgegen blitzte.
Völlig verwirrt und mit rotem Gesicht kehrte ich zu meiner Arbeitsstelle zurück und setzte mich wieder an meinen Rechner.

In der Pause kam die Dame zu mir und fragte mich, ob ich mir die Kontostände angeschaut hätte.
Ich verneinte dies natürlich. Sie meinte daraufhin, dass ich sie mir ruhig hätte anschauen können.
Danach erklärte sie mir diesen unglaublichen Kontostand.

Sie sagte: "Wissen Sie, Frau X, mein Mann und ich haben große Träume für unsere Rente. Wir wollen eine Kreuzfahrt um die Welt machen, mit richtig schönen Außenkabinen. Außerdem wollen wir uns dann ein Haus kaufen, vielleicht in Spanien und jeden Morgen auf der Terasse frühstücken. Wir sparen alles was wir haben. Wir haben uns seit Jahren nichts mehr geleistet, wir wohnen auf 45 m2 zu zweit. Aber wir wollen das so. Dann können wir es uns in der Rente so richtig gut gehen lassen. Wir haben jeder noch vier Rentenversicherungen und sparen, wo wir nur können."

Ich habe ihr natürlich in allem zugestimmt, was steht es mir zu, dieser Frau gegenüber eine Meinung zu ihrem Leben abzugeben.
Noch heute denke ich oft an sie. Wenn ich meine Kontoauszüge ziehe und mich frage, wo das Geld geblieben ist. Oder wenn ich mal wieder an mein Sparbuch muss...

Sicherlich muss man nicht sein ganzes Geld verballern. Trotzdem ist es nunmal so: Das letzte Hemd, das der Mensch trägt, hat keine Taschen. Wenn wir sterben, verlassen wir die Welt so, wie wir sie betreten haben: nackt und alleine. Wir können auf die andere Seite nichts mitnehmen. Kein Geld, keine Wertgegenstände.

(Es sei denn, Sie sind ein ägyptischer Pharao. Wenn ja, lassen Sie es mich wissen, das würd mich schon mal interessieren.)

Ich weiß nicht, ob es Sinn macht, sich ewig auf eine Zeit zu freuen, die vielleicht nie kommen wird. Sei es die 30, die 40, die Rente oder übermorgen.
Wir wissen nicht, ob wir morgen nochmal aufwachen. Das soll kein Apell für "Leben, als ob's kein Morgen gäbe" sein. Aber vielleicht sollte man sich doch überlegen, ob man nicht lieber heute lebt, als in einer Zukunft von der wir nicht wissen, ob sie überhaupt kommt und wie sie wird.

Ich wünsche meiner Kollegin auf jeden Fall, dass ihre Rente genauso wird, wie sie es sich wünscht und dass sie mindestens 90 wird und gesund bleibt. Und ihr Mann natürlich ebenfalls. Anders wär schon ganz schön doof gelaufen.


10.10.13 22:39, kommentieren

Der Schrecken des Todes und wieso nur wir Angst davor haben dürfen...

Ich weiß, es ist ein recht krassen Thema, um so einen Blog zu eröffnen... Ich weiß nicht, ob überhaupt jemand hier mitlesen möchte oder Interesse daran hat.

Leider ist das Thema gerade für mich extrem aktuell und ich denke sehr viel darüber nach. 

Wer sich für Tierschutz interessiert, hat sicherlich die Vorgänge in Rumänien mit großem Schrecken verfolgt. Es ist unfassbar, was dort gerade vor sich geht und mit welcher Kaltschnäuzigkeit die meisten Mitlieder meiner Umgebung die Schultern zucken, sagen: "Ja, ja. Das ist echt schlimm." und anschließend zu ihrem normalen Alttag übergehen und vergessen haben, dass sie überhaupt mit mir darüber geredet haben. 

Gestern laß ich online einen Brief von einem Mitarbeiter einer spanischen Perrera, also eines Leiters einer Tötungsstation in Spanien. Der Mann erzählte erst vom Alltag im Tierheim und den Problemen, bestimmte Hunde (groß und schwarz) zu vermitteln und wie wenig Zeit ihm bliebe, dies zu tun.

Dann kam er auf das Thema "humanes" Einschläfern zu sprechen... und das hat mir in der vergangenen Nacht den Schlaf geraubt, was sehr ungewöhnlich ist, da ich mich normalerweise bei traumatischen Ereignissen eher in den Schlaf flüchte.

Ich fand die Beschreibung zum schreien und zum heulen und zum Durchdrehen. Einfach nur fürchterlich. Denn Hunde, die gesund sind, die wollen nicht sterben. Sie kämpfen und heulen und schreien und kratzen und beißen und koten sich ein und klammern sich mit aller Macht an das Leben, das sie verdienen und das ihnen von Gott geschenkt wurde. Sie sehnen sich nach einem Zuhause und einer liebenden Hand, nach einem Napf voll Futter und einem kleinen Quietschie Spielzeug vielleicht. In den letzten Minuten ihres Lebens, davon bin ich überzeugt, gehen ihnen diese Bilder im Kopf herum und sie schreien das Unrecht, dass ihnen angetan wurde, in die Welt hinaus.

Der Großteil der Bevölkerung befürwortet die "humane" Einschläferung "überzähliger" Tiere.
Was passiert, wenn ein altes Tier stirbt, nach einem Leben, in dem es geliebt wurde?
Glauben Sie mir: ich habe es erlebt. Und es war schrecklich genug. Als mein Shi-Tzu mich verließ, war er gerade 6 1/2 und leider sehr krank. Er schlief sofort ein, nachdem er mir einen letzten Blick aus seinen lieben Augen zugeworfen hatte und mich wissen ließ, dass er mich nicht freiwillig alleine lassen würde, aber das ihn seine Kraft verlassen hatte.
Ich ließ ihn gehen. Nicht freudig, nein wirklich nicht, nicht einmal freiwillig oder erleichtert, aber ich fand in mir die Kraft, ihn gehen zu lassen, dankbar für die wunderbare Zeit, die wir miteinander hatten.

Zusammenfassend: Tiere akzeptieren den Tod am ENDE ihres Lebens als etwas völlig natürliches und als folgerichtige Ergänzung des Lebens.
Doch als was empfinden wir Menschen den Tod? Als etwas furchtbares, dem man davon laufen muss. Als etwas schwarzes, dunkles, unheimliches, als ein Monster im Dunklen, dem wir so lange es geht davon laufen müssen. Selbst wenn wir in unserem eigenen Urin in einem Bett liegen, kaum Luft bekommen, uns erbrechen, uns wund liegen und uns aus allen Löchern Blut läuft, selbst dann klammern wir uns mit aller Macht an die letzten, schmerzhaften Atemzüge.

Schlimmer noch: Wenn jemand laut ausspricht, was andere denken, nämlich das es grausam und furchtbar ist, dass nicht jemand den Stecker zieht, dann gilt dieser Mensch als erbgeil, unmenschlich, schlicht als Mörder.
Dabei wäre es vielleicht für uns längst Zeit gewesen und die Natur wäre mit unserem Tod wesentlich gnädiger gewesen.

Nun frage ich mich: Wieso, wieso, wieso schicken wir Millionen und Milliarden Tiere in einen grausamen Tod, Millionen und Millarden fühlende Lebewesen, deren gottgegebes und natürliches Recht es wäre, zu leben und zu atmen und durch grüne Wiesen zu tollen und sich abends an eine liebende Hand zu kuscheln, die sie vor allem Unbill schützt? Und gleichzeitig kämpfen wir mit einer Vehemenz gegen den eigenen Tod die die meisten von uns nur an den Tag legen, wenn es darum geht, die neuste Lieblingsserie zu sehen oder das neuste IPhone zu erwerben?

Wieso Mensch, wieso??????????? 

Warum erzwingst du dir selbst jede noch so schmerzhafte Sekunde und gehst über den Tod Millionen Unschuldiger, die nur leben wollten, mit einem Schulterzucken hinweg?

Ich möchte schließen mit einer Bitte: Bitte, bitte, kauft nicht beim Züchter, sondern adoptiert eine verlorene Seele aus einem Tierheim. Und am besten aus einer Tötungsstation aus dem Ausland.
Für die, die die Meinung vertreten, in Deutschland gibt es genug Hunde: Ich werde mich darauf noch in einem Folgebeitrag dazu äußern.

 

9.10.13 22:58, kommentieren